Die Sache mit den coolen Surfern

… oder wie man trotz Surfboard nicht ganz so cool aussieht…

Ein bisschen Posen darf auch sein ... selbst wenn man sich das coole Board vom Surflehrer ausborgt
Ein bisschen Posen darf auch sein … selbst wenn man sich das coole Board vom Surflehrer ausborgt

Wie war das nochmal mit dem Surfen? Meine Gedanken – oder die Gedanken von fast allen blutigen Surfanfängern – glitten unaufhaltsam in Richtung braungebrannter, durchtrainierter Körper, die mit Salzwasser benetzt durch die Abendsonne spazieren. Mit einem stylischen Surfboard unterm Arm. In Zeitlupe. Nun ja. So zumindest die Theorie. It’s all about style, baby!

Challenge Nr. 1 – Das Outfit

Wenn man zu den glücklichen gehört, ohne Wetsuit mit dem Surfen starten zu können, sollte man sich dennoch ein paar Gedanken um das werte Outfit machen. Bei den Mädels sollte ein Bikini gut sitzen, und in diesem Fall meine ich, eng sitzen. Denn es ist gar nicht lustig, wenn das Triangle-Top plötzlich nur mehr als lose Halskette vor dem Oberkörper baumelt. Deshalb auch unbedingt ein Lycra tragen. Das schützt den Oberkörper nicht nur vor der Sonne, sondern uns Surfer-Girls auch vor dem Bikini-Desaster. Selbiges gilt auch für die Shorts – und hier natürlich auch für die männlichen Surfer. Um nicht plötzlich im Freien zu stehen, besorgt man sich eine gut sitzende Surfshort, denn es ist nicht nur unglaublich lästig, sondern auch störend, wenn die Short ständig rutscht. Lycras sind übrigens auch für die Herren nicht ganz abwegig: Das Wachs auf dem Board stört sowohl bei behaarten als auch unbehaarten Oberkörpern und kann böse Abschürfungen herbeiführen.

Der Wetsuit schützt vor dem Wasser und der Sonne, aber dennoch alle freien Hautstellen mit Sonnenschutz eincremen - sogar die Zehenspitzen
Der Wetsuit schützt vor dem Wasser und der Sonne, aber dennoch alle freien Hautstellen mit Sonnenschutz eincremen – sogar die Zehenspitzen

Startet man sein Surf-Vergnügen mit dem Anziehen des Wetsuits, sollte man sicherheitshalber ein paar Minuten früher aufstehen. Wer noch nie einen Wetsuit angezogen hat wird sich vorkommen, wie in einem viel zu engen und zu heißen Ganzkörperkondom. Die Posen, die man beim Einstiegsversuch in den Wetsuit sieht, haben weder etwas mit Eleganz noch mit Yoga zu tun, sie passieren einfach. Und sehen nebenbei bemerkt gar nicht cool aus. Ein kleiner Tipp, den ich mir von Tauchern geben ließ: Entweder eine dünne Nylonstrumpfhose anziehen, oder ein Ganzkörper-Lycra besorgen. So „flutscht“ es gleich viel besser.

Challenge Nr. 2 – Das Surfboard

Leider kannst du dir das Board als Anfänger nicht aussuchen - gehe davon aus, dass du ein ausgebleichtes, riesengroßes Softboard stolz vor oder hinter dir hertragen wirst
Leider kannst du dir das Board als Anfänger nicht aussuchen – gehe davon aus, dass du ein ausgebleichtes, riesengroßes Softboard stolz vor oder hinter dir hertragen wirst

Natürlich gibt es unzählige Modelle, Größen und Materialien bei den Surfboards. Und in den meisten Fällen kann man sich sein Surfboard in den Kursen nicht aussuchen. Keine Chance, sich das coole, kleine mit dem fetzigen Muster zu schnappen … man bekommt mit ziemlicher Sicherheit das riesengroße, von der Sonne ausgebleichte, mit Wachs und Sand verklebte Softboard. Für uns Mädchen mit Durchschnittsgröße gestaltet sich das Tragen eines solchen Boards schon etwas schwieriger. Es ist ewig lang und schwer, obwohl es doch so aussieht, als wäre es aus fleckigem Styropor. Natürlich gibt es einige Tricks. Bei Windstille kann man es sich einfach auf den Kopf legen und mit beiden Händen über sich tragen. Oder man schnappt sich einen zweiten Surfer mit der gleichen Größe und nimmt links und rechts zu zweit beide Boards.

Hat man seinen Surflehrer überzeugt, ein Hardboard rauszurücken, das dann auch meistens um einiges kürzer ist. Gleichzeitig ist es auch leichter und passt unter die meisten Arme – somit kann man seinen ersten Versuch des coolen Spazierganges am Strand unternehmen. Aber Achtung: Bekommt man dieses Board gegen den Bauch, tut’s gleich nochmal so viel weh …

Challenge Nr. 3 – Die Wehwehchen

Hartnäckig bleiben - das Board fest im Griff und manchmal zu fest. Blaue Flecken sind die Folge ... trage sie stolz
Hartnäckig bleiben – das Board fest im Griff und manchmal zu fest. Blaue Flecken sind die Folge … trage sie stolz

Was einen Anfänger zumeist verrät: Der blaue Fleck an der Hüfte. Dieser entsteht durch das Tragen des Boards. Und ganz nebenbei entstehen viele andere kleine und große blaue Flecken, die man zuerst gar nicht bemerkt. Das Board bewegt sich im Wasser ständig ganz nahe am Körper mit und man bekommt es unbemerkt permanent gegen die Arme und den Oberkörper. Kleine blaue Flecken an den Oberarmen sind vorprogrammiert – kein Grund zur Sorge.
Ich trage sie mit Stolz 🙂 Mit Neopren sieht man zwar die Knie nicht, aber sobald man den Anzug auszieht, sind viele Anfängerknie rot: Aufgescheuert vom Sand im Wetsuit und wundgeschlagen vom fehlerhaften Aufstehen mit Knieeinsatz. Ein Blick auf die Knöchel verrät, auf welchem Bein das Board mittels Leash (zu) festgemacht wird.

Pausen müssen sein, denn surfen ist richtig anstrengend. Und nebenbei kann man die besseren Surfer ein bisschen vom Strand aus beobachten
Pausen müssen sein, denn surfen ist richtig anstrengend. Und nebenbei kann man die besseren Surfer ein bisschen vom Strand aus beobachten

Für kälte- und hitzeempfindliche Menschen ist Surfen ein Extremzustand. Bei kaltem Wasser jagen einem die ersten Schritte in der Brandung leichte Krämpfe durch die Zehen und danach fühlt es sich so an, als würde man sich im Wetsuit eingenässt haben. Daran gewöhnt man sich glücklicherweise sehr schnell … In der Hitze wird der Wetsuit richtig heiß, aber im Wasser ist er Gold wert, denn man kühlt nicht so leicht aus und kann sogar bei kalten Wassertemperaturen einige Zeit im Meer aushalten.
Der Wind und das Salzwasser lassen uns die Augen ständig zusammenkneifen. Gerötete Augen sind ein Nebeneffekt vom Surfen, was auch von der Wasserqualität abhängig ist. Was jedoch bei vielen ganz lustig aussieht, ist die Art des Sonnenkusses um die Augen. Trotz starkem Lichtschutzfaktor bei der Sonnencreme (oder gar bei Zink-Pasten) sieht es bei manchen so aus, als hätten sie Comic-Wimpern im Gesicht. Durch das Zusammenkneifen der Augen entstehen kleine Fältchen, wo die Sonne nicht hinkommt … sieht man nachher ganz normal in den Spiegel, hat man seitliche weiße Wimpern dazu gewonnen. Generell sollte man den Sonnenschutz ernst nehmen, denn man ist oft stundenlang im Wasser ohne der Möglichkeit, sich einzucremen. Deshalb besser vorher mit lustig eingefärbten Zink-Pasten ins Wasser, als nachher als Lobster rauszukommen.

Wieder und wieder trotzt du der Welle, dem Sand und der Sonne und übst deinen Stand-Up
Wieder und wieder trotzt du der Welle, dem Sand und der Sonne und übst deinen Stand-Up

Ein Nebeneffekt beim Surfen ist auch noch, die liebevolle, vom Meer kostenlose „Systemreinigung.“ Salzwasser ist überall, es geht durch deine Ohren, durch deine Nase und Mund und es bahnt sich seinen Weg durch dein System wieder hinaus. Das brennt durchaus zwischendurch und ist nicht angenehm, aber hast du schon mal einen Surfer mit permanent verstopfter Nase im Surfcamp gesehen? Ich nicht!

Challenge Nr. 4 – Die Leidenschaft

Sobald sich eine Welle hinter dir hebt, beginnst du um dein Leben zu paddeln und suchst nach dem Gefühl der Freiheit
Sobald sich eine Welle hinter dir hebt, beginnst du um dein Leben zu paddeln und suchst nach dem Gefühl der Freiheit

Hat sie dich erst erwischt, so ist es um dich geschehen. Selbst wenn die ersten Versuche eher bescheiden waren, es wird dich so schnell nicht mehr loslassen. Du gehst unbeirrt wieder ins Wasser und trotzt der Welle, du willst das Gefühl der Freiheit erleben, auf dem Board stehen und die Welle so gut und lange es geht zu reiten. Immer und immer wieder drehst du dein Board in die richtige Richtung, Nose Richtung Strand, das Brett fest im Griff. Wenn sich die Welle hinter dir hebt und das Wasser um dich herum glitzert, dann paddelst du um dein Leben. Du drückst dich hoch, suchst die Balance und springst auf. Fast schwebst du auf der Welle … und wenn sie dich dann ausspuckt und du unter ihr im Turbowaschgang mitgedreht wirst und nach Atem ringend wieder auftauchst, dann bist du fest entschlossen, das Ganze Spiel von vorne mitzumachen. Wieder und wieder. Du nimmst jeden Wipe-Out in Kauf, jedes aufgekratzte Knie, jeden blauen Fleck und jede Systemspülung. Der Respekt vor der Welle ist mindestens genauso groß, wie die Bewunderung für den Ozean. Und dieses Gefühl ist schwer in Worte zu fassen … aber eines ist sicher: So schnell, siehst du beim Surfen nicht cool aus … denn, it’s not about style, baby!

Beitrag geschrieben von Daniela Nowak

Eine Antwort zu “Die Sache mit den coolen Surfern”

  1. Ingrid Fasthuber

    2016-07-28T17:59:39+00:00

    Voll cooler Artikel, toll geschrieben. Man bekommt trotz „blauer Flecken“ richtig Lust auf Surfen 😉

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