Der Take Off, also das Aufstehen auf dem Brett, sieht total leicht aus, wenn der Surflehrer es vormacht: Hände neben die Schultern, Zehen aufstellen – und zack: hoch! Wer hätte gedacht, dass genau das neben dem ganzen Balancehalten, Wellen abpassen und der richtigen Paddeltechnik so kompliziert ist?

IMG_0860Jeder Körperklaus weiß allerdings, dass es genau so ist – und ich mit meinen 1,84 Metern Unsportlichkeit habe es auch bitter erfahren müssen. Da war ich nun auf Gran Canaria:
Frisch in den Wetsuit gequetscht, das Anfänger­Styroporboard im Arm und ganz Baywatch­mäßig zum Strand trabend wollte ich mich in die Fluten stürzen – da kam aus der Surflehrer­Ecke ein schief grinsendes: „Wait a second!”

Ob ich denn vorher schon mal surfen war, schon den Take Off kann? Den Take­was? Aufstehtechnik – aha. Ja, also mach ich an sich jeden Morgen. Was kann daran so schwer sein?
Zuerst hieß es also: Board auf den Sand, wie eine Robbe drauflegen und dann nachmachen, was der sonnengebräunte und weißgemilchte Surflehrer da so vormachte.

Und jetzt folgt das Problem: Wenn du längere Beine hast als ein handelsübliches Erdmännchen und die Muskeln im Arm nur zu erahnen sind, weil sie aus anatomischen Gründen irgendwo da in der Gegend sein müssen, hast du dich eher verheddert, als du bis drei Zählen kannst. Und bis drei zählen solltest du können, denn das Aufstehen besteht aus drei Schritten:

1, 2, 3 – Take Off

So funktioniert das Ganze:

1. Position einnehmen

Leg dich flach auf dein Surfbrett – die Zehen am Brettende, die Arme etwas unterhalb der Brust und dicht am Körper aufstellen. Du siehst aus, wie Flip der Grashüpfer, nur eben nicht grün. Im besten Fall.

2. Absprunghaltung

Die Arme strecken – dein Oberkörper hebt infolgedessen ab, deine Hüfte aber bleibt am Brett. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, die Zehen am Board aufzustellen.

3. Und hoch!

In einer athletischen Höchstleistung stößt du dich jetzt irgendwie überall vom Brett ab, nur nicht so richtig mit den Händen. Der vordere Fuß landet zwischen den Händen, der hintere stellt sich vor die Finne – und zwar 90 Grad zur Längsachse.

Jetzt kommt der Clou: Drei Schritte sind es nur in der Theorie! Denn eigentlich soll das Ganze auch noch eine elegant fließende Bewegung sein. Genaugenommen sieht das dann so aus:

Um es kurz zu machen: So sah das bei mir nicht aus. Weder befand sich ein Funken Durchhaltewillen in meinen Armen, noch besonders viel Sprungkraft in meinen Zehen. Das Schwierigste aber war, das eine Bein überhaupt so weit nach vorne zu bekommen, dass der Fuß zwischen den Händen landet. Das bekomme ich in Jogginghose schon kaum hin – schon mal im Wetsuit probiert?

Das Ergebnis: Ich war ein wirklich, wirklich guter Bodyboarder! Denn was am Strand nicht klappt, klappt auch mit einer Welle unterm Brett nicht. An alle die jetzt wissend mit dem Kopf nicken: Das ist zum Glück alles nur eine Frage de Trainings. Damit du beim nächsten Mal elegant wie ein Reh aufs Board springst:

Drei Übungen für den perfekten Take Off

Übung Nr. 1: Burpees

Was Freeletics­Jünger schon länger wissen: Burpees sind einfach krass – und krass effektiv. Im Grunde trainierst du alles, bis auf die Haarwurzeln und die Nasenflügel vielleicht.
Beim Surfen kommt dir das vor allem für die Sprungkraft, die Armmuskulatur und die Koordination zugute. Beim Paddeln hilft es auch. Außerdem trainierst du deine Ausdauer.

So geht’s:

  1. Gerade hinstellen, Füße schulterbreit auseinander.
  2. Jetzt kommt eine normale Kniebeuge, nur dass du unten die Hände vor deine Füße auf dem Boden absetzt …
  3. … und dann mit den Füßen in die Liegestütze springst.
  4. An der Stelle denke unbedingt daran alle Muskeln anzuspannen. Ja, alle.
  5. Dann die Bewegung wieder verkehrtherum ausführen – also zurück in die Hocke und wieder aufrichten.
  6. Oben angekommen springst du noch mal ordentlich hoch.

Das machst du einfach, so oft du kannst. Danach steigerst du dich. Keine Sorge, wenn es am Anfang nicht so oft hintereinander klappt. Das ist auch wirklich der ätzendste Streber unter den Fitness­Übungen.

So sieht das Ganze aus, wenn es jemand macht, der es kann:

Übung Nr. 2: Climbers

Klingt komisch, ist aber so: Surfer trainieren am besten die „Bergsteiger­Übung“. Die ist gut für deine Paddel­-Arme und verbessert die Stabilität in deinem Rumpf. Das hat dann direkte Auswirkungen auf den sicheren Stand.

So geht’s:

  1. Auf in die Liegestützposition!
    (Liegestütz ist beim Muskeltraining für Surfer sowas wie der „nach unten schauende Hund“ bei den Yogis. Total nervig, wenn man es nicht kann – und kommt andauernd vor. Ärger dich nicht, einfach akzeptieren.)
  2. Jetzt die Knie abwechselnd nach vorne ziehen. So, als würdest du bergsteigen – nur im Liegestütz eben. Es ist so toll, wie es klingt.

Tipp: Ziehe bei der Übung ein bisschen deinen Bauch ein. Dann bist du stabiler.

Hier noch eine Vorführung auf YouTube:

Übung Nr. 3: Ran an den Gymnastikball

Ja gut, war gelogen, das mit den drei Übungen. Es gibt eigentlich viel mehr.

Aber hier kommt der Trick: Egal, was du machst, baue einen Gymnastik­Ball mit ein!

So richtig stinknormale Liegestütze zum Beispiel trainieren dich fürs Surfen perfekt, wenn du dabei deine Füße auf einen Gymnastikball legst. Dann musst du nämlich gleichzeitig noch Balance halten – und das ist im Wasser ja ganz ähnlich.

Bei allen Übungen heißt es wie immer: durchhalten. Wenn du dann in die Wellen rennst, rauspaddelst und dich die antrainierte Sprungkraft und deine enormen Armmuskeln aufs Brett heben, war es wirklich jeden. einzelnen. Burpee. wert. Versprochen.

Beitrag geschrieben von Anita Vetter

 

Quellen:

http://travelonboards.de/freeletics­fuer­surfer­fit­auf­den­surf­trip/

http://www.aframe.de/surf­training­fitness/

 

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