Ihr wollt Euch im Surfurlaub oder auch davor ein gebrauchtes Brett kaufen? Wir geben Euch ein paar wichtige Punkte zum abhaken an die Hand, die Euch vor den größten Fehlern bewahren.

Grundsätzliches gilt:

Macht Euch vorher Gedanken über das Brett Eurer Wahl, Über die richtige Größe und vor allem dem richtigen Volumen solltet Ihr Euch zunächst klar werden. Lasst Euch nicht von vermeintlichen Experten bequatschen die Ihr Brett loswerden wollen und vor allem sollte man ein Surfboard niemals ausschließlich nach Äußerlichkeiten wie dem Design oder dem vermeintlichen Coolnessfaktor beurteilen. Gebrauchte Surfboards sollte man auch niemals ungesehen übers Internet kaufen, es sei denn Ihr habt Ahnung und könnt Euch ziemlich sicher sein, dass zu bekommen, was angeboten wird. Dann braucht Ihr an dieser Stelle auch nicht mehr weiterlesen. „Nur einmal gesurft, Wenig repariert, kein Wasser gezogen“ ist so ziemlich die Standardfloskel und bedeutet nicht selten soviel wie „gerockt bis zum umfallen, halbherzig mit Solarez geflickt und müsste nochmal ordentlich repariert werden“. Fragt den Verkäufer ruhig nach der Geschichte des Boards: Wo kommt es her? Wie alt ist es? Kann er Euch nicht viel erzählen, ist er es vermutlich selber nicht gesurft und will es nur schnell loswerden.
Hier unsere Checkliste mit den wichtigsten Punkten zum abhaken:

 

1. Shape, Bauart und Alter?

IMG_4741Informiert Euch vorher über den richtigen Shape bzw. die richtige Größe für Euer Surflevel. Als Beginner, bzw. Intermediate oder einfach nur weniger fitter Mensch, braucht Ihr verhältnismäßig vor allem mehr Volumen um möglichst viele Wellen zu bekommen. Es nutzt also nichts ein Brett in der vermeintlich richtigen Länge zu kaufen, wenn dies aber viel zu dünn ist, sprich wenig Volumen mitbringt. Ebenso gibt es gerade auf kleinere bis durchschnittliche Wellen zugeschnittene Bretter, die relativ kurz, dafür aber sehr dick, sprich mit viel Volumen ausgestattet sind. Aufpassen solltet Ihr bei langen Shortboard-artigen Brettern jenseits Längen von 7.0 — Diese Big-Wave Guns oder Semi-Guns sind vor allem für sehr sehr große Wellen geeignet und für den Durchschnittssurfer absolut ungeeignet. Longboards um 9.0 Fuß sind ebenfalls für Anfänger suboptimal, da diese ebenfalls ein gewisses Maß an Können voraussetzen, bzw in Ihrer Art zu surfen einfach relativ speziell sind. Mehr zum Thema Surfboard-Shapes findet Ihr hier. Nachdem Ihr Euch über Shape und Volumen klar geworden seid, steht noch die Frage nach der Bauart im Raum. Die häufigsten Bauweisen sind die klassische und tendenziell für Schäden anfälligere Polyester-Bauweise sowie die etwas robustere Epoxy Bauart. Hinzu kommen im Anfängerbereich noch die Bretter aus Vollkunststoff, welche häufig zusätzlich eine weiche Soft-Top Oberfläche haben oder verklebte Matten gegen abrutschen besitzen. Von letzteren Brettern sollte ebenfalls, sofern Ihr über Euren ersten Surfkurs hinaus seit, tendenziell Abstand genommen werden. Polyester-Boards kommen klassisch in typisch weiß-cremiger Färbung und werden mit der Zeit, bedingt durch UV-Einstrahlung leicht gelblich. Die Färbung lässt in gewisser Hinsicht auch aufs Alter schließen: Will Euch jemand ein völlig vergilbtes Board andrehen, hat dieses vermutlich schon einige Jahre auf dem Buckel — das muss nicht zwangsläufig schlecht sein, sollte aber zumindest ein Verhandlungsargument sein und erfordert aufmerksames hinsehen — Alte Polyestergurken haben eben auch schon häufig die ein oder andere Reparatur hinter sich da diese grundsätzlich anfälliger für Kratzer und Macken sind. Boards aus Epoxy sind weniger Anfällig gegenüber Schäden, dafür tendenziell auch etwas schwerer und oft eben auch etwas teurer. Fragt den Verkäufer um welches Material es sich handelt.

 

2. Wachs & Sticker ab?

IMG_4740Mit Wachs auf dem Brett lässt sich der Zustand nur schwer bis gar nicht beurteilen und kleine Macken lassen sich mit etwas Wachs zudem sehr gut kaschieren. Wenn Ihr ein Gebrauchtbrett kaufen wollt, auf dem sich noch altes Wachs befindet. Besteht darauf das Brett entwachst anschauen zu dürfen! Gleiches gilt für Sticker oder sogar Tape, welches auf „auf die Schnelle“ geflickte Stellen hindeuten kann. — Sticker und Tape, vor allem an den Rails sollten auf jeden Fall entfernt werden vor dem Kauf!

 

3. Reparierte Stellen und Brüche?

IMG_4744Checkt vor allem die empfindlichsten Stellen des Boards: Die Rails, das Unterwasserschiff, Nose und Tail sowie die Oberseite auf andersfarbige Auffälligkeiten und Unebenheiten am Brett. Bei Polyester-Boards lassen diese sich relativ leicht an einer anderen Farbgebung erkennen. Bei lackierten Boards achtet auf Farbunterschiede. Wurde gar das ganze Board sichtlich überlackiert fragt genau nach, wieso und weshalb — Oft wird hier versucht Brüche zu kaschieren. Bereits mal gebrochene Boards sind durchaus reparabel und weiterhin surfbar sofern es professionell gemacht wird, ein Bruch mindert den Preis aber dennoch um ein vielfaches, völlig egal welches Board Euch hier angeboten wird. Ob ein gebrochenes Board professionell oder nur halbherzig wieder zusammengeflickt wurde, lässt sich leider Augenscheinlich nur schwer beurteilen, daher gilt im Zweifelsfall lieber Finger weg. Ob ein Board Wasser gezogen hat, erkennt man bei Polyester- Boards an der andersfarbigen Färbung des Schaumkernes, welcher sich bei eingedrungenem Wasser an diesen Stellen bräunlich verfärbt. Bei Epoxy-Brettern ist dies leider schwieriger zu erkennen, daher ist es umso wichtiger sich eventuelle Unregelmäßigkeiten und Dellen ganz genau anzusehen!

4. Finnen & Leashplugs

Welches Finnensystem hat das Board? Der am meisten verbreitete Standard sind FCS Finnenplugs. Neuere und hochpreisigere Bretter haben manchmal FutureFins—Finnenplugs. Boards mit FCS-Finnensystem sind grundsätzlich die sicherere Wahl, denn dieses ist das wohl verbreiteteste System und nahezu überall auf der Welt zu finden. Schwieriger wird es mit Exoten wie Softboards und manchen Herstellern von „Anfänger“-Boards wie z.B. BIC. Diese verwenden zum Teil ein eigenes Finnensystem, für das nicht unbedingt überall einfach Ersatzfinnen oder Plugs zu bekommen sind. Von Boards mit laminierten, sprich fest mit dem Board verbundenen Finnen, sollte zumindest an dieser Stelle auf die Problematik des Transports sowie der Reparatur aufmerksam gemacht werden. Kontrolliert die Finnenplugs auf Bruchstellen und kontrolliert die Funktion selbiger! Lasst Euch, sofern keine Finnen am Brett sind welche geben, oder bringt eigene mit und steckt diese einmal in die Plugs, schraubt sie fest und kontrolliert deren Halt. Greifen die Schrauben vernünftig, drehen nicht unendlich durch und halten die Finnen, oder sind die Gewinde durchgenudelt? Finnenplugs lassen sich durchaus austauschen, dies kostet aber je nach Land zwischen 10 und 30€ je Plug!

 

5. Preis und Ausstattung

Was darf ein gebrauchtes Board noch kosten? Nun dies kommt natürlich immer auf den Zustand, die Größe (Große Boards sind in der Regel teurer als kleine, da sie mehr Material in der Produktion benötigen) sowie das verwendete Material an. Herkömmliche Polyesterboards sind meist günstiger als Epoxy Bretter, allerdings auch etwas empfindlicher. Je nach Nachfrage sind manche Bretter wertstabiler als andere. Dies ist zum Beispiel der Grund warum die meist unkaputtbaren und recht gefragten NSP und BIC-Boards in Anfängertauglichen Größen meist entsprechend hoch gehandelt werden. Grundsätzlich sollte ein Preisnachlass von um 30% gegenüber dem Neupreis für ein Brett in Topzustand in jedem Fall drin sein, tendenziell sind 50% vom Neupreis für die meisten Bretter, je nach Zustand als Verhandlungsbasis angemessen. Ein wichtiger weiterer Punkt in Preisverhandlungen: Wie steht es um Finnen und Leash? Natürlich werden neue Boards selten mit Finnen und Leash verkauft, sofern es keine typischen Surfschulboards mit eigenem Finnensystem sind. Bedenkt dass ein Satz Finnen samt Leash je nach Land nochmal zwischen 60€ und 100€ Neu kostet und nicht immer einfach gebraucht zu finden ist. (Wobei vom Gebrauchtkauf einer Leash=Eurer Lebensversicherung im Wasser sowieso ehr abzuraten ist!) Vielleicht geht nichts mehr am Preis aber häufig lässt sich noch ein Satz Finnen und oder eine Leash als Zugabe beim Kauf raushandeln.

 

Dieser Beitrag und alle Bilder wurden erstellt von Daniel Schroermeyer, Betreiber von Soulmush

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